[Review] Still There – Ein bewegendes Trauerspiel

Still There – Ein bewegendes Trauerspiel

Es gibt Dinge im Leben, die passieren einfach und lassen uns oft in ein tiefes Loch fallen. Nicht nur positive Ereignisse beeinflussen unser Leben, sondern auch Enttäuschungen oder plötzliche Verluste. Nichts ist schmerzvoller, als das Gefühl von Trauer. Das Ende einer Beziehung oder gar der Tod eines geliebten Menschen ist für uns kaum verkraftbar. Die Leere die man empfindet, sowie die Isolation, der man sich hingibt machen uns in solchen Zeiten zu einem sehr zurückgezogenen Menschen. Genau diesen Umstand hat man versucht einzufangen und in Still There umzusetzen.

Im psychologischen 2D-Adventure Still There begleiten wir Karl, einen Leuchtturm-Wärter im Weltall. Um nicht ganz so alleine zu sein, spricht Gorky zu ihm. Gorky ist die KI der Station und hält Karl ganz schön auf Trapp. Sie ermahnt ihn, wenn er zu spät aufsteht, seine Arbeit vernachlässigt und beömmelt sich, wenn er (bzw. wir) beim Schach versagen. Außerdem haben wir auch einen tierischen Freund an Board, der auch verpflegt werden will. Karl hat neben der eigenen Verpflegung und Wasseraufbereitung ganz schön viel zu tun. Immer wieder muss er testen, ob die Sauerstoff-Zufuhr gegeben ist oder die Energie der Sterne für den Strom ausreicht. Zwischen all den Wartungsarbeiten erreicht ihn plötzlich ein Signal, welches fortan für viel Wirbel sorgt…

Still There – Ein bewegendes Trauerspiel
Karl wird von Gorky, dem Boardcomputer geweckt

Das Handbuch ist dein bester Freund

Karl wird zu Beginn von Gorky aus seinen Träumen gerissen und muss sofort seine Arbeit antreten. Auf das Klo muss er nicht und auch der für uns übliche Kaffee am Morgen bleibt aus. Hallelujah, am Arbeitsplatz sind aber ganz schön viele Schalter und Knöpfe. Um die täglichen Aufgaben zu bewältigen, müssen wir diese also bedienen. Schnell wird uns aber klar, dass dies gar nicht so einfach ist. Zum Glück haben wir ein Handbuch, welches uns hilft, auf die richtige Lösung der Rätsel zu kommen. Dennoch müssen wir unsere grauen Zellen auf Hochtouren bringen, denn das Handbuch zeigt uns nur den Weg, nicht die tatsächliche Lösung. Stehen wir auf dem Schlauch, können wir Gorky um Hilfe fragen. Nebenbei erfahren wir durch Logs und E-Mails, warum Karl diesen einsamen Job auf der Station angenommen hat, was uns ein sehr beklemmendes Gefühl übermitteln kann.

Bei all den Schaltern und Knöpfen den Überblick behalten, ist schwer.

Trial and Error

Was auf dem PC wahrscheinlich reines Point-and-Click ist, ist auf der Nintendo Switch nicht ganz so unkompliziert zu bedienen. Die Steuerung mit den Joysticks ist schon etwas ruckartig und nicht flüssig. Wenn man also mehr der Explorer ist und vieles genauer betrachten möchte, ist es schwierig, dem beizukommen. Bei filigraneren Gegenständen und Knöpfen poppt zwar eine Art Lupe auf, das haptische Gefühl ist dennoch nicht gut. An manchen Stellen wäre die Bedienung mit dem Touchdisplay schöner gewesen. Dies führt dazu, dass die doch recht schwierigen Rätsel mehr zum Trial and Error werden, als notwendig. Hin und wieder kann uns das Gefühl beschleichen, nur noch mit Rumprobieren beschäftigt zu sein und das Spiel aufzugeben, weil das Erfolgserlebnis aus bleibt. Hier noch an der Geschichte dran zu bleiben ist nicht leicht.

Auch um Karls eigene Bedürfnisse muss sich gekümmert werden

Matte Farben für die Einsamkeit

Optisch ist Still There dem Gefühl, bzw. der Geschichte angepasst, die vermittelt werden soll. Hier setzen die Entwickler von Ghost Shark auf eine statische Hintergrundebene, in welcher man sich nur von links nach rechts und umgekehrt bewegen kann. Die Grafik ist handgemalt und überzeugt mit Retrostil und matten Farben. Nichts ist wirklich bunt oder strotzt von Quirrligkeit. Besonders witzig sind Gorkys Emotionen dargestellt. Sie zeichnen sich durch Pixelemojis aus, die uns hier und da zum Lachen bringen. Der Sound des Spiels ist simpel. Nur gewisse Interaktionen besitzen Effekte. Dialoge müssen gelesen werden und werden bloß durch stimmungsgerechte Hintergrundmusik untermalt. So wird die Thematik von Still There gekonnt in Szene gesetzt und auf den Spieler übertragen.

Zum Ende zieht es an

Auch wenn wir zu Anfang mehr mit Rätsel lösen und Arbeiten beschäftigt sind, nimmt die Geschichte nach dem lebensverändernden Signal schnell Fahrt auf. Wir erleben ein Wechselbad der Gefühle und können nachvollziehen, wieso Karl hier ist und warum er reagiert, wie er es tut. Innerhalb der 7 Stunden Spielzeit trauern und leiden wir mit Karl – und das trotz der beschränkten Handlungsmöglichkeiten. Alleine, dass die Dialoge trotz reinem Text so lebendig geführt werden, dass wir uns die Emotionen sehr gut vorstellen können, ist beeindruckend.

Still There ist auf Steam, GOG und Nintendo Switch erhältlich.

  • 10/10
    Grafik/Optik - 10/10
  • 8/10
    Sound/Musikl - 8/10
  • 8/10
    Story - 8/10
  • 5/10
    Steuerung - 5/10
  • 5/10
    Gameplay - 5/10
  • 8/10
    Umfang - 8/10
  • 8/10
    Spaß - 8/10
7.4/10

Kurzfassung

„Still There“ hat eine Menge Rätsel, die mir hin und wieder zwar alle Nerven raubten, aber aufgrund der Storyline trotzdem Spaß machte. Durch diverse Logeinträge hatte ich einen schnellen Bezug zu Karl, dem Leuchtturmwärter im Weltall. Außerdem empfand ich von Anfang an sehr große Sympathien gegenüber dem Boardcomputer „Gorky“, nicht zuletzt wegen seinem Humor. Auf der Nintendo Switch ist die Steuerung des Spiels leider etwas ruckartig und demnach nicht ganz so flüssig, wie sie eventuell am PC ist. Hier hätte man manche Bedienelemente auf das Tochdisplay legen können. Die satten Farben der handgemalten Grafik im Retro-Look vermittelten mir genau das Gefühl, was die Story hergibt: Einsamkeit und Traurigkeit. Des weiteren trugen auch die musikalische Hintergrundmusik und die dezenten Effekte einiges zur Stimmung bei. Wer sich allerdings vom Thema getriggert fühlt, sollte das Spiel mit Vorsicht genießen.

Sending
User Review
0 (0 votes)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.