[Review] Gibbous – A Cthulhu Adventure – Das etwas andere Lovecraft-Erlebnis

Gibbous - A Cthulhu Adventure - Das etwas andere Lovecraft-Erlebnis

Im Grusel- bzw. Horrorgenre ist H. P. Lovecraft fast unausweichlich. Vor allem in Spielen behält seine düstere Welt rund um Cthulhu eine stets wiederkehrende Faszination. Selbst Spieler, die noch nie ein Buch von und über Cthulhu gelesen haben, wissen, dass Cthulhu das berühmte Kraken-Monster aus der dunklen Tiefe ist. Normalerweise sind die an diesen Mythos angelehnten Geschichten eher düster gehalten. Oft geht es um Charaktere, die nicht mehr bei klarem Verstand sind, dem Wahnsinn verfallen oder kompletten Kontrollverlust über ihren Geist, Körper und ihr Handeln verloren haben. Nicht so aber bei Gibbous – A Cthulhu Adventure, denn bei Gibbous versucht man, einen eher charmant-witzigen Weg zu gehen.

In Gibbous – A Cthulhu Adventure begleiten wir Don R. Ketype, ein Privatdetektiv, der auf der Suche nach dem berühmten und böswilligem Buch Necronomicon ist. Es hat die Kraft, sehr großes Chaos anzurichten, wenn es in die falschen Hände gerät. Umso wichtiger ist es, dass der Detektiv das Buch schnell findet. Dabei trifft er auf den unschuldigen Bibliothekar Buzz Kerwan, dem bei einer Explosion das Necronomicon zufällig in den Schoß fällt. Bedauerlicherweise verleiht er seiner Hauskatze Kitteh damit eine Stimme, die ihm im weiteren Verlauf mehr oder weniger wohlgesonnen begleitet. Dieser Umstand soll natürlich nicht von Dauer sein, weshalb Kerwan alles daran setzt, ihn umzukehren. So führt uns das Trio fortan auf eine Reise vom mit Okkultisten befallenen Amerika, ins in sich gekehrte Rumänien und wieder zurück, um ganz nebenbei auch noch die Welt zu retten…

Gibbous - A Cthulhu Adventure - Das etwas andere Lovecraft-Erlebnis
Don R. Ketype erhält den Auftrag, das Necronomicon zu finden

Es sind die kleinen Dinge

Startet man ein neues Spiel, begegnet uns Don im Noir-ähnlichen Monolog in der Stadt Darkham, welcher Name eingefleischte Lovecraft-Fans sofort an Arkham erinnern dürfte. Sie ist die Stadt, in welcher der Cthulhu-Mythos stattfindet. Außerdem scheint Buss Kerwan dem Bibliothekar Henry Armitage nachempfunden zu sein. Auch das Fischerdorf Innsmouth findet als Fishmouth (Deutsch: Fischmaul) seinen Platz in Gibbous. So wurde die Welt von Lovecraft gekonnt in das Spiel integriert, ohne seinen eigenen Charme zu verlieren. Generell begegnen uns hier und da immer mal wieder Kleinigkeiten, die uns an unseren eigenen Alltag erinnern. Das zocken von Videospielen ist etabliert, die Kühlschränke sind eher leer, als voll und auch in Darkham kaufen die Bürger ihre Möbel im schwedischen Möbelhaus.

Gibbous - A Cthulhu Adventure - Das etwas andere Lovecraft-Erlebnis
In Fishmouth (Fischmaul) trifft Buzz Kerwan auf fischartige Menschen.

Ganz einfache Point-and-Click Manier

Alteingesessene Adventure-Spieler kommen in Gibbous voll auf ihre Kosten. Alles, was wir für das Cthulhu-Abenteuer brauchen, ist eine funktionierende Maus. Damit klickern wir uns gekonnt durch jede Szene und nehmen damit jedes Objekt und Sehenswürdigkeiten genau unter die Lupe oder treten mit anderen in den Dialog (diese dauern unter Umständen auch mal länger). Sollten wir dennoch mal etwas übersehen haben, können wir liegen gebliebene Dinge mit der Leertaste hervorheben, um sie auch zu untersuchen. Außerdem ist es möglich, im Inventar, sowie in der Umwelt, Gegenstände zu kombinieren, um der Lösung eines Rätsels näher zu kommen. Darüber hinaus können wir Kitteh in gewissen Situationen darum bitten, mit der Umgebung zu interagieren, um den Weg für Buzz zu erleichtern. Auch Ketype erlent später eine Fähigkeit, mit der er in die Vergangenheit von Objekten und Personen eintauchen und dieses Wissen nutzen kann.

Gibbous – A Cthulhu Adventure – Das etwas andere Lovecraft-Erlebnis
Kitteh hilft Buzz an Stellen weiter, die er so nicht erreichen würde.

Die einfache Mechanik des Spiels sorgt dafür, dass die Rätsel durch richtiges Kombinieren der Gegenstände relativ einfach zu lösen sind. Allerdings gibt es an der ein oder anderen Stelle Rätsel, die unsere alten, grauen Zellen schon einmal aus dem Tiefschlaf wecken können. In diesen treffen wir auf Symbole, die wir bis dato nie gesehen haben, bringen fremde Wörter in die richtige Reihenfolge oder müssen das Necronomicon einsetzen, um weiter zu kommen. Sollte man nicht auf Anhieb den zündenden Lichtblick haben, kann auch das Trial-and-Error-Prinzip helfen.

Ausgezeichneter Cartoon mit beeindruckender Synchronisation

In Gibbous – A Cthulhu Adventure setzen die Entwickler von Stuck in Attic auf eine 2D-Oberfläche im handgezeichneten Comic-Stil. Die Animationen und Filmsequenzen wirken trotz dunkleren Farben, aber warmer Lichtführung flüssig und lebendig. Damit sehen die verschiedenen Orte zwar düster und gruselig aus, verleihen dem Spiel aber einen ganz besonderen, teilweise witzigen Charme. Auch die Charaktere können uns mit ihrer seltsamen Mimik, sowie ihrem ulkigem Aussehen mal ein heiteres Lachen entlocken.

Jede Szene in Gibbous wurde von Hand gezeichnet und animiert.

Das i-Tüpfelchen im Spiel liefert uns die (rein englische) Synchronisation. Die Charaktere besitzen durchweg geeignete Stimmen, welche den ein oder anderen Witz ohne Scham über die Lippen bringen und uns somit schwer zum Lachen bringen. Besonders hervorzuheben ist hier Lindsay Peck, die Kitteh so gekonnt schnippisch, wie sarkastisch spricht, dass sie die Animation der Katze auf das Gehör überträgt. Auch Don Thacker als Ketype unterstreicht mit seiner rauchigen Stimme die Noir-Haltung gänzlich. Auffällig ist auch Doug Cockle (bekannt als Geralt aus The Witcher), der dem verrückten Antagonisten seine Stimme verleiht. Die Hintergrundmusik und allgemeine Soundkulisse ist an jede der Örtlichkeiten, als auch Situation angepasst und ein wahres Konzert für jedes Ohr.

Leider nur ein kurzes Vergnügen

Optisch glänzt Gibbous zwar mit HD-Grafik und abgestimmtem Sound, hat dabei aber Abzüge im Storytelling und der Charakterentwicklung. Leider fühlt sich die Geschichte im Verlauf immer so an, als würde etwas fehlen. Wo es am Anfang noch darum geht, Kitteh wieder in den Normalzustand zu bringen, wird es zunehmend wichtiger, die Welt vor einem verrückten Okkultisten zu bewahren. Während wir das innerhalb von knapp 12 Stunden in sieben Kapiteln versuchen zu verhindern, will, bis auf die Ausnahme von Kitteh, keine richtige Verbindung zu den übrigen Protagonisten zustande kommen, auch wenn Ansätze da sind. Sie erscheinen zunächst recht flach und unspektakulär, nur bei Buzz wird in Rumänien mal seine Herkunft quittiert, aber nie vollkommen aufgeklärt. Erst kurz vor dem Ende bekommen die Charaktere mehr Farbe, was sehr schade ist.

Dennoch steckt das Adventure voller witziger, sowie frecher Gespräche und enormen Spielspaß. Man kann viel entdecken, während der Humor nie auf der Strecke bleibt. Es macht unheimlich viel Freude, sich durch die einzelnen, schön gestalteten Bereiche zu klicken und mit anderen Smalltalk zu führen. Außerdem gibt es an bestimmten Stellen sogar Kritik an der Gesellschaft, die zum Nachdenken und Diskutieren einladen. So wird zum Beispiel die Überfischung der Meere und ihre enorme Folgen zum Thema gemacht.

Gibbous – A Cthulhu Adventure ist erhältlich auf Steam und GOG.

Quelle KeyArt, Screenshots und GIFs: Stuck in Attic
  • 10/10
    Grafik/Optik - 10/10
  • 10/10
    Sound/Musikl - 10/10
  • 6/10
    Story - 6/10
  • 10/10
    Steuerung - 10/10
  • 6/10
    Gameplay - 6/10
  • 5/10
    Umfang - 5/10
  • 10/10
    Spaß - 10/10
8.1/10

Kurzfassung

„Gibbous – A Cthulhu Adventure“ macht, wenn auch nur kurzweilig, enormen Spaß. Schnell freundete ich mich mit dem Trio bestehend aus dem Privatdetektiv Don R. Ketype, dem Bibliothekar Buzz Kerwan und seiner sprechenden Katze Kitteh an. Mit ihnen überquerte ich gerne den Atlantik von Amerika nach Europa, um die Welt vor dem Bösen zu retten. Technisch empfand ich das Spiel als einwandfrei. Ganz intuitiv klickerte ich mich durch, kombinierte Gegenstände und führte Gespräche. Der gezeichnete Comic-Stil der Grafik gefiel mir sehr und auch die Animationen waren reibungslos anzusehen. Besonders die (englische) Synchronisation ist (bis auf eine Stimme, die ich eher unpassend fand) gut gelungen und die Musik würde ich mir auch außerhalb des Spiels anhören. Als Lovecraft-Fan sind mir viele Dinge aus dem Cthulhu-Mythos, die im Spiel eingebracht wurden, nicht fremd – es war schön, sie wieder zu erkennen. Die Rätsel waren zwar nicht schwer, aber angenehm zu lösen. Nur bei ein, zwei Rätseln habe ich doch schon einmal länger gebraucht. Auch wenn die Geschichte schnell erzählt und die Charaktere flach gehalten wurden, besitzt das Spiel viel Liebe, Herz und Sorgfalt. Außerdem hat Gibbous Humor. Ganz viel Humor – allerdings funktionieren einige der Witze nur, wenn man das gesprochene Englisch versteht.

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